...von wegen "Weg ist das Ziel" - Labyrinthe als Mittelalternativen

Wo ich heute bin, führt nur ein Weg hin!

Das Ur Labyrinth ist eine etwa 4500 Jahre alte Felsritzung

in einer Grabhöhle auf Sardinien.

Acht konzentrische Halbkreise wölben sich über einen (geometrischen) Horizont. Die so entstandenen sieben Gänge um eine mittlere Kammer sind nach unten so miteinander verbunden, dass sie - vom unteren Eingang aus – in einer vorbestimmten Reihenfolge durchlaufen werden und somit als ein Weg zur Mitte führen. Die Linienführung in dieser unteren Hälfte ist um ein gleichschenkliges Kreuz angeordnet, die vier End- oder Wendepunkte bilden ein dazu symmetrisches Quadrat.

Diese graphische Darstellung erscheint sehr viel später (ca 450 vor Chr) auf kretischen Münzen - Allerdings inzwischen seitenverkehrt und kopfstehend.

Ein als Gefängnis taugliches Gebäude (oder Reste davon) mit diesem Grundriss wurde weder auf Kreta noch sonstwo auf der Welt gefunden.

Den Tod als Eintritt in ein jenseitiges Labyrinth zu erklären, erscheint um so schlüssiger, je ernsthafter sich der Betrachter - auf der Spur seiner Seele - in das Bild vertieft:

Die griechische Sage von Theseus, der im (von dem genialen Erfinder Daedalus erbauten) Labyrinth den Minotaurus, ein Mischwesen halb Mensch halb Stier mit großem Appetit auf junges Fleisch, erlegte und nur mit Hilfe des Ariadnefadens wieder herausfand, erscheint angesichts dieses "Einweg-Systems" unglaubwürdig.

Labyrinthe mit Irrgängen entstehen erst in der Renaissance, die bekanntlich auf das antike Erbe zurückgreift und die alten Sagen als Inspirations-Quelle für spielerisch befreite Selbstverwirklichung und Geschichtsfälschung nutzt.

Mittlerweile hat die Matriarchats-Forschung den antiken Mythos als Verdrehung erkannt und historisch berichtigt.

Demnach war der „Held“ Theseus ein Abenteurer aus dem noch unterentwickelten Griechenland, der mit seinen Gefährten übers Meer nach Kreta fuhr, um sich an der dort blühenden Hochkultur zu bereichern.

Ariadne , die oberste Priesterin des friedlichen Inselstaates nahm dem ungebildeten Kraftprotz den Wind aus den Eroberer-segeln, indem sie ihn als "neuen Herrscher" empfing und ihm half, den alten Ritual-König im Schaukampf zu besiegen. Dabei spielte das Labyrinth als Bodenmosaik im Zentrum einer Arena die Rolle des kultischen Tanzplatzes und, um sich vor den Augen traditionsbewusster Zuschauer als König würdig zu erweisen, musste der Neue sich in dem komplizierten Ritus zurechtfinden.

Bis heute sind in manchen Gegenden Formationstänze überliefert, bei denen eine Schnur die Tänzer verbindet.

Der griechische Eroberer wird eher schlecht als recht getanzt haben, aber mit seiner jugendlichen Kraft hat er den Minotaurus, also den Priester-König in Gestalt des göttlichen Stieres (sh. Zeus und Europa), programmgemäß erledigt.

Nur - mit der so errungenen Stellung als erster Mann im Staat konnte und wollte er wohl nichts anderes anfangen, als sein Schiff mit Schätzen zu beladen und wie er gekommen war, als Räuber, wieder abzuhauen.

Ariadne fuhr trotzdem noch ein Stück mit, aber er ließ sie auf der Insel Naxos sitzen, wo sie sich in ihrer Gefühls-Not mit Dionysos verband. Später ist sie als Arianrod bei den Kelten aufgetaucht und bis hoch in den Norden finden sich bis heute zahlreiche Stein-Legungen mit dem "kretischen Labyrinth".

Kreta mit seinen sanften und kreativen Bewohnern kunstvoller Paläste wurde später von verheerenden Erdbeben und weiteren Räubern heimgesucht.

Die bis heute letzte friedliche Hochkultur Europas versank im Nebel patriarchaler Mythen – übrig blieben fast nur noch die Rechtfertigungs-Legenden einer auf Raubbau gegründeten Zivilisation.

Wenn wir heute am offenbar so zentralen Motiv dieser Überlieferung, dem Labyrinth, den Erinnerungsfaden anknüpfen, können wir den Weg der Geschichte in vergangene Kulturen zurückverfolgen, deren objektive Überlegenheit gegenüber der unsrigen darin besteht, dass ihre Träger .. -zigtausend Jahre im Einklang mit der Erde zu leben verstanden.

Nicht zufällig befindet sich wohl dieses Zeichen an der Wand einer Grabhöhle.

 Was immer den Tod gebracht haben mochte, er bringt jedenfalls auch seinerseits den Wesen etwas wesentliches:

Kaum eingetreten, erfasst die Seele der Sog des Unbewussten, sie wird nach links ins Ungewisse gerissen und gleich darauf in die schwindelerregenden Höhen der Sphären gehoben, um sich nach jäh gefangenem Sturz in der tiefsten Tiefe kosmischen Bewusstseins wiederzufinden. – Eine Art Achterbahn führt die Seelen einen Schwindel erregenden Weg: Es gilt vier elementare Wendepunkte und sieben Planetenbahnen zu durchlaufen,

bis der sonnige Ruhepunkt erreicht wird. Hier in der gewissen Mitte unseres Universums steht die Zeit still und die Seele kann in dieser Ewigkeit ausruhen. Bis die Alte (Seele) sich wieder in Bewegung (ent)setzt, sich aufs Neue den rätselhaften Wandlungen zwischen Himmel und Erde hingibt bevor sie, zum Kind verjüngt, aus der Uterus-Höhle ihrer Mutter-Erde ins Leben tritt.

 

Vielfältige Analogien sind beim Betrachten dieses doch so einfachen Bildes denkbar: vom Kosmos mit seinen ehemals 7 sichtbaren Wandelsternen über das Hirn mit seinen Windungen in den Hemisphären, die Gebärmutter samt Schleimhäuten und Nabelschnur, dem Informations-Tanz der Bienen, dem kugeligen Wespennest, dem Querschnitt durch einen Kohlkopf bis zum Gedärm in unserem Bauch.

 

 

Und wie trefflich erscheint das Symbol

im Jahre 450 v. Chr. auf den ersten Münzen:

Wie mit dem Tod eines Wesens, dessen Seele auf die Reise geht, um irgendwann aus irgendwem als irgendwer wiedergeboren zu werden, so wandelt sich mit dem Verkauf einer Ware deren Wert in Geld, um bei Gelegenheit gegen etwas anderes eingetauscht zu werden.

Mit dieser (An)wendung wird der Uterus, der noch im griechischen Omega erkennbar ist, zur Geldbörse umgekehrt- und das einst runde "Organ" wird zur (Plan)quadratischen "Organisation".

Mit der neuesten Auflage des Ur-labyrinthes in eine Holzscheibe geschnitzt, erscheint es wieder rund: als Baum. Damit ist erneut eine historische Wende vollzogen, und der spielerischen Rück-besinnung auf eine mögliche Zukunft in Harmonie stehen alle Wege offen... 

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